Brand
Henrik Ibsen (1828-1906) ist im Allgemeinen als Vater des modernen Dramas anerkannt. Sein Einfluss auf das Theater der letzten einhundert Jahre war unermesslich. Obwohl zu Lebzeiten sein internationaler Ruf der eines naturalistischen Sozialdramatikers war, der zunächst „unakzeptable“ Themen wie Korruption in Kleinstädten (Die Stützen der Gesellschaft, Ein Volksfeind), das Recht der Frauen auf Unabhängigkeit (Ein Puppenheim) oder erbliche Syphilis (Gespenster) aufgriff, so liegt doch seine wahre Größe in seinen Prosatexten und seinen Tragödien in häuslichem Umfeld. Seine letzten Stücke (Baumeister Solness, Klein Eyolf, John Gabriel Borkman, Wenn wir Toten erwachen) gehören zu den Glanzlichtern europäischen Theaters: Sie sind nicht nur wegen ihres psychologischen Realismus' bemerkenswert, sondern auch wegen ihrer visionären Größe.
Brand schrieb der 36jährige Ibsen in Rom, nachdem er Jahre des Misserfolgs und der Armut erlitten hatte. Die Veröffentlichung dieses Stückes (in Versform geschrieben, wie auch die darauffolgende „Komödie“ Peer Gynt) etablierte letztendlich seinen Ruf in Skandinavien. Seine kompromisslose Natur („Alles oder nichts“) und die beharrliche Forderung, auch in extremsten Situationen sich selbst treu zu sein, waren ein Vorgeschmack auf später folgende Werke.
Brand ist ein Priester, der besessen ist von seiner Mission, religiösen Müßiggang zu bekämpfen. Er sieht seine Aufgabe in nichts geringerem als der geistlichen Erneuerung der Menschheit. Für dieses Ziel opfert er nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Frau und seines Kindes. Niemand ist in der Lage, seinen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, auch er selbst nicht. Er scheitert auf ganzer Linie, aber in beeindruckender Weise. In diesem Sinne kann das Stück als die letzte große Tragödie des europäischen Theaters in Versform angesehen werden.
Rezensionen
Dresdner Neueste Nachrichten, 24.04.2006
„Das Eclectic Theatre, ein professionell geführtes Amateurtheater, spielt das Versdrama Brand als klassische Tragödie. […] Rüdiger Kettritz in der Rolle des Brand ist von genügend missionarischem Eifer durchglüht, und was besonders passend ist: Man merkt ihm nicht an, ob er gut ist oder böse, das ist das Stimmige an dieser Inszenierung. […] Alles ist intensiv, dicht und tragisch.“
Freie Amateurtheaterzeitung, Ausgabe 2/2006
„Dieses selten gespielte Stück des norwegischen Dichters wurden vom jüngsten LATS-Mitglied (Landesverband AmateurTheater Sachsen e.V.), dem Eclectic Theatre e.V., am 20. April im Theaterhaus RUDI in Dresden erfolgreich zur Premiere geführt. […] In dem offenen klar gegliederten Raum – drei Spielebenen – kommt die Inszenierung bis auf eine Ausnahme mit nur wenigen Versatzstücken aus. Helle Linien, immer wieder die Richtung wechselnd, durchschneiden den Raum – Symbol für die Windungen des Lebensweges des Protagonisten, aber auch konkrete Begrenzung für eine Spielfläche. […] Bei der Vielzahl der Handlungsorte ist die Gestaltung des Bühnenraumes durchaus klug gewählt, die durch Ton- und Lichtregie sinnvoll unterstützt wird. […] Schön die Bilder mit den Dorfbewohnern. Hier wird eine große ästhetischen Stimmlichkeit sichtbar.“
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