Eclectic Theatre
Englisches Amateurtheater in Dresden

Elektra

Zwei Stücke – Two Languages – Ein Ort – One Evening

Open-Air-Sommertheater im Großen Garten! In einer faszinierenden Koproduktion haben das englischsprachige Eclectic Theatre und die deutschsprachige Theatergruppe Spielbrett zwei aufregend unterschiedliche Versionen von Elektra auf die Bühne gebracht. Das blutrünstige Stück handelt von Rache und Vergeltung, von Gerechtigkeit und Schuld, von Recht und Wahrheit. So wirft es die großen Fragen der Menschheit auf, die nie an Aktualität verlieren. Durch die Behandlung des gleichen Stoffs auf zwei verschiedene Arten, mit unterschiedlichen Ansätzen und grundverschiedenen Regiehandschriften und in zwei Sprachen an einem Aufführungsabend war ein anregendes Theatererlebnis garantiert. Das 1719 erbaute Parktheater im Großen Garten bot dafür die ideale Kulisse.

Eclectic Theatre spielte Sophokles Tragödie in der klassischen, mythologischen Fassung, natürlich in englischer Sprache: Seit Generationen liegt ein Fluch auf dem Geschlecht der Atriden, den Herrschern über Mykene, weil deren Ahne Tantalos die Götter erzürnt hatte. Generation für Generation metzelt sich nieder, ohne dass ein Ende in Sicht wäre.

So wurde auch Agamemnon nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg von seiner Frau Klytämnestra und deren Liebhaber Aigisthos brutal ermordet. Sein Sohn Orest wurde aus Mykene geschmuggelt, damit er im Exil alt genug werden konnte, um den Tod seines Vaters zu rächen. Und Orests Schwester Elektra wartet seitdem auf seine Rückkehr.

Elektra ist eine auf die Spitze getriebene Rachegeschichte. Sophokles’ Version des Mythos beschäftigt sich dabei mit grundlegenden Fragen: Wann wird Gerechtigkeit verzerrt durch persönliche Motive? Wo hört Gerechtigkeit auf, wenn sie nur durch Hass motiviert ist? Wenn Gerechtigkeit Rache fordert, führt das dann nicht nur zu weiterem Blutvergießen? Und wenn dies die Gesetze der Götter sind, was können Menschen dann überhaupt ausrichten?

Teaser-Foto Elektra

Spielbrett inszenierte Elektra dagegen in einer Übersetzung der jüngeren Zeit in deutscher Sprache: Elektra – das Drama unserer Welt. Einmal im Jahr wird das „Fest der Wahrheit“ begangen. Das Sahnehäubchen auf der Wohlstandsdiktatur, die Aigisthos, der mordende Pragmatiker, eingerichtet hat. Als erstes kommt das Fressen! Was ist dagegen einzuwenden?! Chrysothemis, die Stieftochter, hat das verstanden: Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit sichert das kleine private Glück. Da stört nur Schwester Elektra mit ihrem absoluten Anspruch an Gerechtigkeit und Freiheit, ihrer radikalen Verachtung der lebensnotwendigen Lügen! Wie soll der Rächer aus dem Ausland, Bruder Orest, das richten? Hat er die demokratische Alternative? Gibt es die? Ohne Blut? Irgendwo in der Vergangenheit liegt unsere Zukunft, aber wie knacken wir die Gegenwart? Keine Antworten, nur Ahnungen …

Plakat Elektra

Rezensionen

Dresdner Neueste Nachrichten, 11./12.06.2011

Der blutige Weg zur Freiheit von Wieland Schwanebeck

„Anregende Unterhaltung bietet die doppelte Elektra […] und dies sogar in zwei Sprachen. Das Eclectic Theatre macht in Dresden bereits seit Jahren mit sehenswertem englischsprachigen Produktionen auf sich aufmerksam und führt Theaterenthusiasten mehrerer Nationen zusammen. Angesichts der multikulturellen Ausrichtung überrascht die Formstrenge, mit der Regisseur Michael Halstead und sein Ensemble sich Sophokles’ Stück nähern, Chormasken und historische Kostüme inklusive. […] Helenie Mende verleiht der Furie [Elektra] ein menschliches Antlitz […]. Mit Robert Lewetzkys spätem Auftritt als Aigisthos gelingt […] ein mitreißendes Rachestück, das einen Hauch von Amphitheater in den Großen Garten zu zaubern vermag. […] Einen lebendigeren Theaterapparat kurbelt nach der Pause das Spielbrett mit der zeitgenössischen „Elektra“-Adaption aus der Feder das Ungarn Lásló Gyurkó an. […] Auch Elektras Rolle geht im Ensemblestück auf, was allen Mitspielern Raum für starke Szenen lässt. Neben dem inzestuös angehauchten Schlagabtausch zwischen Elektra (Mandy Menzel, die neben ihrem eindringlichen Spiel auch lakonische Liedtexte von Brecht’schem Kaliber beisteuert) und dem aufrechten Orest (Erik Kaubitzsch) bleibt hier vor allem die moderne Variante des antiken Chors in Erinnerung: Die vier spaßversessenen Ja-Sager deklamieren ihre Texte mal lüstern, mal naiv und opportun, mal chaotisch, wodurch sich vor allem die Satire als Rückgrat des Stücks bewährt. [I]m Schlussbild gelangen diese traurigen Clowns […] zu keiner bleibenden Einsicht, als dass man die letzten Minuten „auch dümmer [hätte] verbringen“ können. Angesichts des erlebten Theaterabends darf dies getrost als Understatement gelten.“

Freie Amateurtheaterzeitung FATZ, Ausgabe 2/2011

„Ein spannender […] Abend in einer schönen Arena, die sich als Auftrittsort für den […] Klassiker bestens eignet.“

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Es gibt einen kurzen Fernsehbericht über Elektra bei Dresden Fernsehen, 9. Juni 2011.